Website in english
English

Produkt des Monats

Neue Artikel

Newsletter

Info: Der Newsletter kann jederzeit abbestellt werden.

*in Deutschland

Praktische Tipps

Ein Pilger "gefangen" zwischen Schafen
Ein Pilger "gefangen" zwischen Schafen

Herzlichen Glückwunsch!

 

Ihr seid bereits jetzt den ersten Schritt gegangen - ihr setzt euch mit dem Gedanken auseinander den Jakobsweg zu laufen.

 

Um den Jakobsweg gut vorbereitet zu beginnen, ihn gut zu überstehen und ihn auch gut zu verarbeiten, möchten wir euch einige praktische Tipps geben. Diese gelten allerdings nur für Individualisten, die den Weg alleine, zu zweit, dritt oder viert beginnen, nicht für geplante Pauschal-Jakobswegtouren. Es geht nicht darum, euch eine abschließend detaillierte Liste zu präsentieren, sondern eher darum, euch unsere Erfahrungen mitzuteilen. Erworben haben wir diese mehrfach auf dem Camino Frances und dem Caminho Portugues, grundsätzlich gelten sie aber auf jedem Jakobsweg. Im Endeffekt läuft jeder den Weg für sich selbst. Und damit kommen wir zum ersten Tipp!

 

Eingang der Herberge "L'Esprit du Chemin" in Saint-Jean-Pied-de-Port
Eingang der Herberge "L'Esprit du Chemin" in Saint-Jean-Pied-de-Port

Vorbereitung 

 

Egal wie perfekt ihr euch vorbereitet, es wird immer etwas geben, mit dem ihr nicht gerechnet habt.

 

Und genau das ist es doch, was den Camino ausmacht! Wenn man nicht mehr weiter weiß, schafft es der Weg immer wieder, einen zu überraschen. Man erhält Hilfe von Menschen, die man überhaupt nicht kennt und die auf einmal einfach aus dem Nichts kommen und keine Gegenleistung dafür verlangen. Genau so könnt natürlich auch ihr für andere der Retter in der Not sein, auch wenn es "nur" ein paar aufbauende Worte sind, die ihr sagt.

 

Versucht vor der Abreise alles so weit wie möglich zu klären, worüber ihr euch ansonsten vielleicht Gedanken macht. Damit meinen wir vor allem die Klärung von alltäglichen Dingen wie: wer passt auf die Wohnung/ das Haus/ möglicherweise das Haustier auf (es ist übrigens relativ schwer, z.B. mit einem Hund eine Unterkunft zu finden, aber natürlich nicht unmöglich); hat man den Menschen, die einem lieb und teuer sind Verständnis für die Reise abringen können; Klärung der Finanzen bzw. finanzieller Ereignisse (die "überraschende" Jahresabrechnung, Einkommensteuererklärung) und so weiter...

 

Unsere Erfahrungen haben gezeigt, dass man mindestens 2 Wochen auf dem Jakobsweg unterwegs sein sollte, um wenigsten ein bisschen zu sich zu finden. Wenn möglich, bringt mehr Zeit mit.

 

Zur Ausrüstung könnten wir euch viele Tipps geben, was man alles mitnehmen sollte, aber diese findet ihr auch über die von uns aufgeführten Links. Wir möchten lieber allgemeiner bleiben: es stellt sich immer wieder als großen Fehler heraus, zu viel Gewicht mitzunehmen - ihr könnt grundsätzlich 1 Millionen Gegenstände mitnehmen, solange sie insgesamt nicht mehr als 8 Kilogramm (Kg) wiegen. Viele mögen jetzt denken, dass 8 Kg viel sind, aber denkt auch daran, dass ihr wahrscheinlich immer 1 Liter Wasser (entspricht mindestens 1 Kg) und etwas zu Essen (entspricht mindestens einem weiteren Kg) dabei habt. Auch ein moderner Trekkingrucksack wiegt seine 1,5 Kg. Somit bleiben von den 8 Kg nur noch 4,5 Kg übrig. Wie könnt ihr also das Gewicht reduzieren?

 

Es muss nicht immer 1 Liter Wasser sein (es sei denn im Hochsommer). Um Gewicht zu reduzieren, könnt ihr eine 0,5 Liter Plastikflasche nehmen, die ihr bei eurer Ankunft, z.B. in Spanien, überall kaufen könnt. Es gibt auf dem Jakobsweg viele Trinkwasserquellen, bei denen ihr jedes Mal eure Flasche auffüllen könnt, oder ihr fragt einfach in einer Bar nach. Damit es nicht falsch rüberkommt: genug zu trinken ist extrem wichtig, da es für den Körper sehr anstrengend ist mit einem ca. 8 Kg schweren Rucksack die Berge hoch- und runter zu laufen. Wenn ihr eure Flasche aber regelmäßig zum Mund führt und bei jeder (!!!) Wasserquelle nachfüllt, genügt eine 0,5 Liter Flasche.

 

Es muss nicht immer der neueste Trekkingrucksack für € 250,00 und 65 Liter Volumen sein. Da ihr ja eh ein max. Gewicht von 8 Kg mitnehmt (!!!), genügt euch auch ein 40 Liter Rucksack, der folgende Eigenschaften besitzen sollte: er passt, besitzt einen gepolsterten Hüftgürtel und ihr habt die Möglichkeit, eure Wasserflasche mit Leichtigkeit von außen zu erreichen, so wie ein Gewicht von ca. 1 Kg. Wenn ihr auf dem Jakobsweg unterwegs seid heißt das normalerweise, dass ihr euch nicht in einem Dritte Welt Land befindet. Mit anderen Worten: wenn ihr etwas vergessen habt, was ihr unbedingt benötigt (abgesehen von eurem Talisman oder Lieblingskuscheltier), werdet ihr es auch vor Ort kaufen können.

 

Solltet ihr in Saint-Jean-Pied-de-Port starten, werdet ihr in Roncesvalles und auf den nächsten ca. 200 Kilometern ein Phänomen beobachten können: in den Herbergen liegen Klamotten und Ausrüstungsgegenstände rum, die Pilger einfach liegen gelassen haben!

 

Die Herbergen sind normalerweise sauber und bevorraten warme Decken. Ihr müsst also keinen Schlafsack mitnehmen, der für -10 °C ausgelegt ist. Ein Schlafsack oder etwas Schlafsackähnliches mit einem Gewicht von ca. 600 Gramm genügt vollkommen.

 

Schlussendlich: zumindest aus unserer Sicht bedeutet Pilgern in gewisser Weise auch Verzicht. Man befindet sich nicht auf einer Wellnessreise, sondern hat einen anderen Grund, warum man dieses Abenteuer/ diese Strapazen auf sich nimmt.

 

Worüber sich viele auch Gedanken machen ist, ob man seine Fitness trainieren sollte, bevor man sich auf den Weg macht. Die Antwort darauf ist relativ einfach:

 

Ihr müsst natürlich nicht trainieren bevor ihr euch losmacht. Aber mal ehrlich: ihr glaubt doch nicht wirklich, dass ihr es vollkommen untrainiert schaffen werdet, wenn ihr euch vornehmt z.B. täglich eine Strecke von 20 bis 30 Kilometer mit einem Rucksack zu laufen, ohne dass ihr richtig leidet (Blasen, Rücken-/ Kniegelenkschmerzen, ...), oder? Wenn ihr untrainiert seid müsst ihr einfach dementsprechend planen: was spricht z.B. dagegen, am Anfang täglich "nur" 10 bis 20 Kilometer zu laufen? Es geht ja nicht darum, wer den Weg am Schnellsten zurücklegt, oder wer dabei am Besten aussieht. Im Endeffekt geht es lediglich darum, dass euch das Laufen und damit die Entschleunigung vom Alltag persönlich weiterbringen und gefällt. Lauft euer eigenes Tempo. Der Weg ist das Ziel.

 

nach oben 

 

Noch 475 km bis Santiago
Noch 475 km bis Santiago

Auf dem Weg

 

Ihr seid an eurem Anfangsziel angekommen, wie geht es nun weiter?

Im besten Fall habt ihr euch einen kleinen, handlichen, nicht allzu schweren Jakobsweg-Führer zugelegt, in dem der Weg mit zusätzlichen Informationen beschrieben ist. Aber auch wenn ihr solch einen Führer nicht haben solltet: zumindest der Camino Frances ist so gut ausgeschildert (Muschelsymbole, gelbe Pfeile), dass es praktisch unmöglich ist, sich zu verlaufen. Selbst wenn das mal passieren sollte, ein guter Tipp ist auf Menschen zu achten, die einen großen Trekkingrucksack auf den Schultern tragen, vielleicht sogar mit einer befestigten Jakobsmuschel... . Aber auch die meisten Einheimischen hören die Worte "Perdon, donde esta el Camino Frances?" nicht zum ersten Mal. Damit wollen wir eigentlich nur sagen, dass ihr euch nicht zu viele Gedanken darüber machen solltet.

 

Grundsätzlich gibt es genügend Herbergen (entweder staatliche oder private) auf dem Camino Frances. Sollten ihr allerdings in einem 'Heiligen Jahr' (wenn der Festtag des Heiligen Jakobus - der 25. Juli - auf einen Sonntag fällt - dies ist in 2021 das nächste mal der Fall) unterwegs sein, heißt es sehr früh aufzustehen, damit ihr um ca. 13.00 Uhr euer Tagesziel erreicht und die Wahrscheinlichkeit einer Übernachtungsmöglichkeit erhöht.

 

Versucht bitte etwas Rücksicht auf eure Mitpilger zu nehmen, nicht jeder findet es berauschend, um 5.00 Uhr morgens durch extrem laute Geräusche geweckt zu werden...

 

In den meisten Herbergen gibt es eine Waschmaschine, mit der man seine Klamotten reinigen kann. Ansonsten hat man überall die Möglichkeit diese per Hand (und z.B. dem Shampoo, das man eh dabei hat) zu waschen.

 

Die Schuhe werden zu 99% auf einem Flur oder in einem separaten Raum gelagert. Ihr werden noch früh genug herausfinden, warum das so ist! Bewährt hat sich bei uns gegen Blasen und unangenehme Gerüche die recht günstige Fußcreme 'Gerlachs Gehwol Fusskrem' - und zwar die in einer weiß-silbernen Verpackung. Erhältlich in unserem Shop.

 

Dass die Schuhe, die man trägt, besonders komfortabel sein sollten, ist wohl ein Selbstgänger. Zusätzlich ist es gut, wenn diese auch noch wasserabweisend sind. Ein Paar Badelatschen/Flip-Flops oder leichte Turnschuhe empfehlen sich auch für den Abend.

 

Grundsätzlich kann man sagen: wenn es regnet, werdet ihr nass werden - unabhängig davon, ob ihr nun eine Regenjacke für € 250,00 anhabt oder eine für € 20,00. Ein günstiger Regenponcho, der euren Rucksack automatisch mit abdeckt, ist aus unserer Sicht noch am ehesten zu empfehlen.

 

Entgegen der meisten Verhaltensweisen endet der Jakobsweg nicht in Santiago, sondern er geht erst wirklich los. Leider ist es häufig zu beobachten, dass Pilger nach einer relativ langen, strapazierten Reise alle ihre Erkenntnisse und Umgangsformen in Santiago ablegen. Die Ellbogen-Philosophie setzt sich wieder durch. Wir würden uns wünschen, wenn ihr nicht dazu beitragt.

 

Entgegen der meisten Meinungen, finden wir Santiago de Compostela als Endziel nicht gerade berauschend. Extrem gläubigen Menschen treten wir mit dieser Aussage wahrscheinlich auf die Füße, das stört uns aber nicht weiter. Abgesehen von den Menschenmassen, die euch jetzt zwangsläufig über den Weg laufen, ist der florierende Devotionalienhandel doch recht abschreckend. Grundsätzlich haben wir natürlich nichts dagegen, sonst würden wir ja auch keine Jakobsweg-Artikel anbieten. Wenn es aber geradezu penetrant wird, reicht es uns. Solltet ihr noch Zeit haben, möchten wir euch Finisterre ans Herz legen. Mit dem Bus von Santiago aus dauert es ca. 2 - 3 Stunden bis Finisterre und kostet nicht besonders viel Geld. Entschädigt werdet ihr allemal mit einer phänomenalen Aussicht vom Cup Finisterre und einem wunderschönen Strand, wo ihr selbst Jakobsmuscheln sammeln könnt.

 

nach oben 

 

Nachbereitung

 

Jetzt seid ihr ca. 2 bis 6 oder mehr Wochen unterwegs auf dem Jakobsweg Camino Frances gewesen, was nun?

 

Solltet ihr berufstätig sein und es vielleicht wirklich geschafft haben euch 2 Wochen aus dem Alltag "auszuklinken", nehmt euch bitte mindestens noch 1 Woche mehr Zeit, um eure Erkenntnisse und Erfahrungen zu verarbeiten. Es wäre doch wirklich schade, wenn ihr z.B. an einem Samstag zu hause ankommt um den darauf folgenden Montag wieder zur Arbeit "zurennen", oder? Hinzu kommt, dass Menschen die euch mögen wahrscheinlich auch gerne von eurer Reise hören möchten.

 

Solltet ihr mehrere Wochen unterwegs gewesen sein wundert euch nicht, wenn ihr erst einmal einen "Kulturschock" bekommt, was die Heimat angeht. Alles scheint auf einmal schneller zu laufen. Um so wichtiger ist es, dass ihr euch eure Erfahrungen, Erkenntnisse und vor allem die neu gewonnene Gelassenheit bewahrt, vielleicht sogar mit einem Artikel aus unserem Produktsortiment. Wir würden uns freuen.

 

Euer Jakobsweg [Bewahrer]-Team

 

nach oben